Der nächste Teil unserer Wir-rücken-kurz-mal-aus – Serie. In Sachsen Anhalt zu leben hat wenig Vorteile, denkt man immer. Was man dabei vergisst (auch die Einwohner selbst) ist aber, dass dieses Bundesland nicht nur plattes Land, sondern auch sehr viel wirklich spannende Orte und schöne Gegenden zu bieten hat: Das Bauhaus in Dessau, das Wörlitzer Gartenreich, die Elbauen. Und eben den Harz! 

Mit einem Länderticket für 27 € für zwei Personen lässt es sich unkompliziert innerhalb von einer Stunde in die Natur fahren und mal tief durchatmen. Wir fuhren also nach Thale, kämpften uns durch die Besuchermassen an den Seilbahnen und verschwanden dann relativ schnell im Wald des Bodetals. Innerhalb von wenigen Minuten waren wir quasi komplett allein und standen vor der Wahl, entweder den Weg quer durch den Wald zur Rosstrappe laufen, oder einmal durchs Tal dem Flüsschen zu folgen und dann nach oben gehen. So oder so erwarten einen  Ruhe, überraschend wenige andere Wanderer und spektakuläre Ausblicke sobald man sich etwas nach oben geschwungen hat. Der ursprüngliche Bodetalweg einmal rund ums Tal und dann zur Rosstrappe ist leider schon seit einigen Jahren durch einen Steinrutsch verschüttet, so dass man sich für einen Weg entscheiden muss und es keinen Rundweg mehr gibt.

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Foto: fuchsundkatze.de

Wir kraxelten also im zickzack zur Rosstrappe hoch. Da ein paar Tage vorher ein ordentlicher Sturm gewütet hatte, war der Weg streckenweise durch ziemlich dicke umgestürzte Bäume blockiert. Kletterei war daher im Preis inbegriffen.

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Weiß Bescheid: Die Katze. Foto: fuchsundkatze.de

Leider schlug das Wetter oben um und da wir die umgestürzten Baumstämme vom Hinweg noch gut um Gedächtnis hatten, hatten wir wenig Lust wie zwei Hanghühner während eines plötzlichen Gewitters am Berg zu kleben. Also nahmen wir bergab den Sessellift – an dieser Stelle Sonderapplaus für Romans erneute Überwindung von Höhenangst und der Bereitschaft trotz deutlicher Blässe um die Nase den Sessellift zu nehmen. Für alle ähnlich von Höhenangst Geplagten noch der Hinweis: Die Bahn gondelt locker zehn Minuten hoch bzw. runter, bewegt (will sagen: schaukelt) sich dabei aber so gut wie gar nicht. Da müsste schon größerer Wind aufkommen. Bei solchen Wetterbedingungen sind die Lifte aber vermutlich ohnehin nicht in Betrieb.

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Da das Wetter auch unten wenig vielversprechend aussah war das Experiment Naturkinder an dieser Stelle beendet und wir fuhren mit dem nächsten Zug weiter nach Quedlinburg. Quedlinburg ist sehr alt und sehr abwechslungsreich. Wenn man am Bahnhof ankommt, möchte man eigentlich sofort wieder gehen, so verranzt und heruntergekommen ist es dort. Und tragisch, denn dass das mal ein kleines Juwel war erkennt man sofort. Wie in den meisten Bahnhofsvierteln möchte man auch hier nicht tot über dem Zaun hängen.

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Bahnhof Quedlinburg. Foto: fuchsundkatze.de

Wir entfernten uns schnell und gingen ins eigentliche Stadtzentrum, was zu Fuß etwa 2o Minuten dauert. Dort zeigt sich die ganze Harzer Schönheit in seiner Fachwerkpracht, ein Häuschen am nächsten, in allen Farben und dazwischen immer mal ein Jugendstilhaus.

Interessanterweise beschränkt sich das alles auf die sehr aufgeräumten und gepflegten Straßen im Stadtkern und den Aufstieg zur Stiftskirche. Darüberhinaus schlägt dann doch ein ums andere Mal durch, dass es außer Tourismus wenig in dieser Region gibt. Auch die ein oder andere Ost-Bausünde ist immer wieder dazwischen – Welterbestadt hin oder her. Gott sei Dank, denn das macht Quedlinburg noch spannender als nur die vielen bunten Fachwerkhäuschen, die übrigens aus acht Jahrhunderten stammen.

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Es gibt ein Renaissance-Rathaus, die romanische Stitfskirche auf dem Schlossberg und den darin aufbewahrten Domschatz, das Schloss und die St. Wiperti Kirche. Der ganze Ort atmet so viel Geschichte, dass 24 Stunden dann doch ein bisschen knapp wurden um alles zu besichtigen. Bei alledem lohnt es sich, auch die manchmal offenen Hauseingänge genauer zu inspizieren. Manchmal verbirgt sich dahinter nämlich der Zugang zu einem Innenhof, der beispielsweise ein kleines Café oder eine Bücherstube beherbergt.

Als nächstes ging es nach Bad Harzburg, das einen relativ neuen Baumwipfelpfad vorzuweisen hat, eine Stahl- und Holzkonstruktion, die sich quer durch ein kleines Tal zieht. Für einigermaßen stolze 8 € kann man ungefähr einen Kilometer auf 25 Meter Höhen durch und über den Wald spazieren. Trotz der Höhe und gelegentlichem, leichten Geschwanke – vor allem, wenn mehrere Leute gleichzeitig auf dem Pfad wandeln – behagte der Baumwipfelpfad sogar unserem Patienten mit Höhenangst.

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Baumwipfelpfad Bad Harzburg. Foto: fuchsundkatze.de

Wer sich unterwegs ein bisschen stärken möchte, kann das auf ungefähr der Hälfte des Weges an einem kleinen Stand tun, wo in der kalten Jahreszeit Glühwein ausgeschenkt wird. Oder Schierker Feuerstein, selbstverständlich. Der Spaziergang über den Pfad ist schon sehr spannend; traumhaft schön wird es durch den bunten Herbst, aber es ist bestimmt auch in allen anderen Jahreszeiten lohnenswert. Ansonsten hat Bad Harzburg noch eine Seilbahn, diverse Fachwerkhäuschen und eine Salztherme zu bieten, aber unsere Dosis an Spießbürgerlichkeit war dann doch erfüllt und wir fuhren weiter.

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Wernigerode ist ein Harzhäuschentraum, ähnlich wie Quedlingburg und fast genauso alt. Außerdem eins von gefühlt 57 Orten mit der Endung -rode, die daher rührt, dass für diese Orte mal Wälder gerodet wurden (zugegeben eine ziemlich einfache und etwas enttäuschende Erklärung). In Wernigerode startet die Harzer Schmalspurbahn, die sich dampfbetrieben den Brocken hochwindet.

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Start der Harzer Schmalspurbahn in Wernigerode. Foto: fuchsundkatze.de

Ansonsten hat Wernigerode ein schönes kleines Schloss zu bieten, dass über der Stadt thront und ein ziemlich skurriles Rathaus, dass eine Art Hexenhut als Dach hat.

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Das Rathaus in Wernigerode. Foto: fuchsundkatze.de

Lost Places-Fotografen unter Euch können auch mal probieren, ob sie die Reste des Albrechsthauses, einer ehemaligen Lungenheilstätte in der Nähe von Stiege (ca. 30 km südlich von Wernigerode), im Wald finden. Die Bude ist 2013 wegen Brandstiftung leider abgebrannt und heute dient das Gelände als Ausbildungsplatz für Rettungshunde. Dennoch: auch ohne das Gelände zu betreten zu müssen, finden sich in unmittelbarer Nähe alte, leerstehende und so langsam aber sicher verfallende Gebäude.

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Foto: fuchsundkatze.de

Man muss gar nicht immer einmal um die Welt fliegen oder das Land verlassen um verborgene Schönheiten zu finden. Manchmal ist der Tellerrand über den man blicken muss um Neues zu entdecken nur ganz klein. Mein Vorurteil, dass der Harz nur für Rentner und Mutter-Vater-Kind in ordentlicher Allwetterjackenuniform ist, ist jedenfalls gründlich ausgeräumt worden.


Der Harz in 24 Stunden

Die Anfahrt ist unkompliziert, ob nun mit einer der diversen Regionalbahnlinien, die den Harz aus allen Himmelsrichtungen kreuzen und an fast jedem wichtigen Ort halten oder mit dem Auto. Wir befinden uns fast in der Mitte von Deutschland und selbst die Fernbusse verirren sich bis in das Mittelgebirge.

Um im Harz eine Unterkunft für die Nacht zu finden, ganz gleich für welche Aktivität (Städtebesichtigung oder Wandern) man sich auch entscheidet, lohnt es sich eher, nach Ferienwohnungen anstatt eines Hotels zu gucken. Oder eben AirBnB. Gerade Ferienwohnungen lassen sich über einschlägige Webseiten wie harz-travel.de zahlreich finden und sind, je nach Ausrichtung des Ausflugs, womöglich viel dichter dran.

Sehenswürdigkeiten:

Die Möglichkeiten sind endlos. Goslar, Bad Harzburg, der Brocken, der Hexentanzplatz, die Rosstrappe… man muss sich für 24 Stunden wirklich entscheiden, aber da es so unkompliziert ist wieder zu kommen ist das kein Problem.