Wir müssen unbedingt nach Barcelona! Barcelona ist überhaupt die beste aller Städte in der ich je gewesen bin! Tönt großspurig Roman, weil er einmal 8 Stunden mit einem Kreuzfahrtschiff dort abgesetzt wurde. Du kannst mir gar nichts erzählen, denke ich mir, bewaffne mich mit dem „Lonely Planet“ und los geht’s. 

Tag 1

Der Anflug ist keine Freude. Die Unbequemlichkeit von Ryanair hin oder her, die nimmt man für den günstigen Preis in Kauf – aber für Wetter können die tatsächlich auch nichts und das ist an diesem Montag im Februar saumäßig. Es stürmt und regnet und der Landeanflug ist für uns mäßig Flugzeugbegeisterte eine luftlochintensive Qual. Unten angekommen erklärt sich auch warum: Die Palmen stehen quasi waagerecht im Wind. Immerhin ist es warm, 18 Grad sind Luxus wenn man bei sieben Grad in Berlin losgeflogen ist. Wir fahren mit der Bahn vom Flughafen bis zur Station Passeig de Gracia, was äußerst unkompliziert ist und statten uns bereits am Flughafen mit einem Hola BCN! Dreitagesticket für die Öffentlichen aus, was sich im Nachhinein nur mäßig lohnt, da das Wetter ab Tag 2 schlagartig besser wird.

Unser Hotel steht mitten in L’Eixample, dem Jugendstilviertel von Barcelona. Das Casa Bonay liegt an der Gran Via de Cortes Catalanes und ist mehr zweckmäßig als Luxus (kein Frühstück, Fenster nur zum überdachten Innenhof). Dafür ist es aber sehr neu, sauber UND – es liegt an einer der vielbefahrensten Hauptstraße des Viertels, trotzdem ist es wirklich ruhig in den Zimmern. Bonus: Das Café, das dazu gehört heißt, Satan. Romans Gruftieherz schlägt höher.

3 TAGE KURZTRIP BARCELONA

Foto: fuchsundkatze.de

Regen hin oder her, die Stadt will erobert werden! Wir stromern erst einmal vom Placa Catalunya die Ramblas hinunter, der Tourimeile von Barcelona. Ich hasse überfüllte Straßen und bin sehr dankbar im Februar in der Stadt zu sein, wo verhältnismäßig wenig los ist und man Ruhe hat, die „alte“ Altstadt Barcelonas zu erkunden. Auf der Rambla del Caputxins geht es am Gran Teatro del Liceu vorbei, denn ich muss einfach alle Opernhäuser einmal sehen, wenn ich irgendwo neu bin – Berufskrankheit. Von dort zieht es uns in die Markthallen des Mercat de la Bouqueria, den bekanntesten Markt Barcelonas, dessen Ursprung bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen. Der Markt ist täglich von 8 bis 20.30 Uhr geöffnet und eines unserer absoluten Highlights in Barcelona.

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Dort stopfen wir uns mit Macarons und Smoothies voll und biegen ab ins Barri Gòtic, den mittelalterlichen Teil der Altstadt. Wetter- und jahreszeitenbedingt tatsächlich menschenleer und mit den teilweise gerade mal 1,50 m breiten Gassen sehr spannend und geheimnisvoll.

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Mitten im Barri Gòtic gibt es die Überreste des jüdisches Viertels aus dem 14. Jahrhundert, El Call, das man nur findet, wenn man sehr genau hinschaut. Rechts von der Kathedrale geht eine kleine Gasse ab, an der man am Café Caelum vorbei geht, unter dem sich eine altes jüdisches Badehaus befindet. Das Gebiet selbst befindet sich ungefähr zwischen Carrer el Call und Baixada de Santa Eulalia, ist winzig und, wenn man erst einmal grob hingefunden hat, auch ausgeschildert.

Irgendwann sind auch wir mal nass und etwas verfroren und finden durch Zufall die winzige Teestube Salterio in der Carrer de Sant Domènec del Call. Wunderschön und die Teekarte könnte man stundenlang hoch und runterprobieren.

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Anschließend geht es in die gotische Cathedrale La Seu, zu der man vor 12.45 Uhr und ab 17.15 Uhr übrigens freien Eintritt hat, dazwischen zahlt man 7 €.

Danach haben wir den einzigen echten Fehler der Reise begangen und waren Essen auf der Rambla. Wir waren zu hungrig um nach etwas anderem Ausschau zu halten und haben letztendlich ziemlich miese Paella gegessen, die kein Mensch braucht. Nichtsdestotrotz waren auch die paar ersten Stunden in Barcelona toll und man kann in dieser kurzen Zeit wahnsinnig viel fußläufig erreichen.


BARCELONA & ZAFON

Das Barri Gòtic hat mich tatsächlich dazu gebracht, ein Buch von Carlos Ruiz Zafon zu lesen, den ich vorher schon aus Prinzip doof fand, weil die Bücher so gehyped wurden. Dinge aus Prinzip doof finden ist selten eine gute Idee und „Der Schatten des Windes“ ist ein tolles Buch. Es gibt allerdings einen Haufen Leute, die auf den Spuren Zafons durch Barcelona wandern, man kann sogar spezielle Zafon-Touren zu den Schauplätzen von „Der Schatten des Windes“ buchen. Ich finde das etwas befremdlich. Eigentlich bin ich ganz froh, die Bücher erst später gelesen zu haben, denn so gab es erst nach dem Barcelona-Trip beim Lesen ein paar relativ nette Erinnerungen an die Streifzüge durchs verregnete Barri Gòtic und El Raval.


An Tag 2 geht es in die Tiefen des Modernisme, des typischen Jugendstils von Barcelona. Antoni Gaudis nie fertigwerdende Sagrada Familia steht ganz oben auf unserer Liste, und ja, sie ist beeindruckend (liebstes Detail: Der Weihnachtsbaum auf der Nord-Ost-Seite), aber ganz ehrlich… Es gibt so viel mehr!

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Nur echt mit Baukran und Weihnachtsbaum. Foto: fuchsundkatze.de

Zwei Stunden Schlange stehen, um ins Innere der noch immer nicht fertigen Kirche zu schauen, war es uns nicht wert. Hinter der Sagrada Familia ist ein kleiner Teich, beliebter Selfiespot aber auch Aufenthaltsort der örtlichen Seniorengruppe – überhaupt mag ich, wie sich in Barcelona immer Tourismus und unbeeindruckte Einheimische mischen.

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Bei unserem stundenlangen Streifzug durch Eixample kommt uns allerdings die Sagrada Familia irgendwann nur noch wie eine Fußnote vor. Eixample, auf deutsch Erweiterung, ist eine Planstadt, die aus quadratischen Rastern mit abgeschrägten Ecken, den Xamfrans, besteht. Bonus: Eixample ist der Stadtteil der Outlets und eine gute Ausgeh-Ecke und wird aus Gründen auch gerne Gayxample genannt.

Barcelona ist eine Stadt für Leute, die Häuser mögen und hier geht es eigentlich weniger um die großen Einzelsehenswürdigkeiten, als um die das Ganze und die vielen darin enthaltenen kleinen Details. An jeder Ecke findet sich ein neues architektonisches Kunstwerk. Und immer wenn man gerade ein Haus fotografiert hat, dreht man sich um und hinter einem ist noch eines, das mindestens genauso interessant ist, wenn nicht noch mehr. Mehr durch Zufall stoßen wir auf zwei weitere Meisterwerke Gaudis, nämlich die Casa Batlló und die Casa Milà, auch La Pedrera genannt. Hier sind die Schlangen zwar übersichtlich, die Eintrittspreise mit 25 € pro Person (off-season) aber gepfeffert, also beschließen wir, dass das Wetter sowieso zu schön ist um drinnen zu sein und ziehen weiter.

Von der Sagrada Familia fahren wir mit der U-Bahn zum unteren Ende der Ramblas und laufen ins Hafenviertel La Barceloneta. Hier müssen wir ein paar Dinge dringend abhaken: Muscheln und andere Tapas essen, zum Strand gehen und einen Zeh ins Mittelmeer halten (kalt).

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Am Meer sein ist uns beiden das liebste; und nach dem langen dunklen Winter einfach eine Weile stumm aufs sonnige MIttelmeer zu schauen, führt zu einem tollen Moment stiller Glücksseligkeit.

Anschließend geht es zum Torre Sant Sebastià, weil ich seit Tagen zappelig bin um mit dem Teleférico del puerto, der berühmten Hafenseilbahn von 1929 zu fahren. Zur Erklärung: Ich liebe Seilbahnen, Sessellifte und alles womit man gemütlich in der Luft herumgondeln und die Landschaft von betrachten kann. Roman – nicht so sehr. Das wussten wir zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht.

Wir zahlen also flockige 20 €, warten einen Stunde und fahren dann in gemütlichem Tempo in 100 Meter Höhe einmal über den Hafen bis zum Montjuic – Roman an eine Haltestange in der Mitte der Gondel geklebt und ich enthusiastisch am Fenster. Praktischerweise stand in der Reihe vor und ein älteres deutsches Ehepaar, die in derselben Situation waren, so dass jeder von uns einen Reisegefährten im gleichen Aggregatzustand hatte.

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Vom Montjuic ging es nach einem Beruhigungsbier für Roman zu Fuß durch El Raval, das schon seit Ende der 80er kein rauhes Pflaster mehr ist, aber trotzdem noch ein bisschen alternativer und abwechslungsreicher, als alles rechts von den Ramblas. Es gibt Second Hand Plattenläden, Comic Shops und diverse kleine Hippie Klamottenläden, Skateboarder und Hipstercafés in heruntergekommenen Häusern – mein liebstes Viertel bisher.

Tag 3

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Beginnen wir mit einem Frühstück bei Satan, der Liebe für uns hatte:

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Da wir bis zu unserem Abflug noch ein paar Stunden Zeit hatten, ging es nochmal zu La Boqueria, Tapas und direkt daneben abgefahrenes Karamelleis in Rosenform essen. Überhaupt das Essen. Mal von unserem Paellareinfall am ersten Abend abgesehen war Barcelona ein kulinarisches Paradies. Fisch und Meeresfrüchte, frisches, in der Sonne gewachsenes Gemüse und Obst (im Februar!!) sowie ein nicht endender Strom von Süßkram lassen mich glauben, dass es vielleicht ganz gut war, dass wir nicht länger geblieben sind. Unsere Klamotten hätten dann irgendwann nicht mehr gepasst. Der Rückflug war so entspannt wie der Hinflug lästig war, mit wunderschönem wolkenfreien Blick über die verschneiten Alpen.

3 TAGE KURZTRIP BARCELONA

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Und, lohnt es sich? Definitiv. Schon Mitte Februar mal eben ins 18 Grad warme Sonnenwetter zu fliegen, pflegt das Gemüt und es ist wirklich eine der schönsten Städte der Welt. Vieles haben wir nicht gesehen und gemacht – wir waren nicht wirklich feiern, wir waren nicht im Park Guell und nicht im Picassomuseum. Aber das waren fast alles bewusste Entscheidungen, man muss nicht durch Städte hetzen wenn man nur drei Tage Zeit hat. Dafür haben wir lieber eine Stunde länger am Mittelmeer und in den Cafés von El Raval gesessen. Und der Plan steht sowieso schon: Barcelona, du Schönheit, das war erst der Anfang mit uns. Wir kommen wieder.


SHORTCUT

Wie lange ging die Reise: 3 Tage

Papiere und Moneten: Euro und Personalausweis. Alles easy.

Was hat es gekostet: Dank Urlaubspiraten und Ryanairflug 210 € pro Nase für Hotel und Flug. Dazu kamen noch einmal ca. 150 € pro Person für Essen, öffentliche Verkehrsmittel und den ein oder anderen Kleinkram. Eintrittsgelder zahlten wir kaum, da wir wetterbedingt nirgendwo hinein wollten.

Unterkunft: Hotel Casa Bonay in Eixample. Einfache, kleine Zimmer ohne Frühstück, für die man keine großen Ansprüche haben sollte. Dafür aber TOP sauber und sehr modern. Verkehrstechnisch günstig gelegen und trotzdem ruhig. Toller Blick von oben von der Dachterrasse.

Anreise und Fortbewegungsmittel: – Hinflug mit Ryanair ab Berlin Schönefeld. Barcelonas öffentliche Verkehrsmittel sind top ausgebaut, es lohnt sich eine Dreitageskarte für 22 Euro zu nehmen – wenn man nicht wie wir plötzlich beschließt, alles zu Fuß zu machen.

Beste Reisezeit: Frühjahr oder Herbst, im Sommer ist es sehr heiß und alle Einheimischen verlassen die Stadt. Aber selbst im Winter sind Temperaturen um die 15 Grad und darüber normal und schön, wenn man aus Matschnasskaltdeutschland kommt.

Sicherheit & Gesundheit: Unbedenklich. Wir sind mitten in Europa und die Standards sind überall gleich hoch. Im Sommer an Sonnencreme und etwas für den Kopf denken. Einziger Maluspunkt, den ich vorher gern gewusst hätte: Die Spaniern chloren ihr Wasser EXTREM und meine traurige Mimosenhaut hat gleich Ausschlag bekommen.
Zum Thema Sicherheit: Wenige Monat nach unserem Kurztrip verübten mutmaßliche IS Terroristen Terroranschläge auf den Ramblas, an exakt den Stellen, an denen wir auch gestanden haben. Das hat uns schockiert und sehr traurig gemacht. Hält uns das davon ab noch einmal zu fahren? Nein, natürlich nicht! Spätestens seit der Terror auch zu Hause in Berlin angekommen ist, sollte jedem klar sein, dass man nirgends sicher ist und die Zeiten nun mal sind wie sie sind. Vom Reisen wird uns das nicht abhalten, denn es ist heutzutage nur umso wichtiger, seinen Horizont zu erweitern.